
NR. 356 der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN im Niedersächsischen Landtag
Datum: 30. Oktober 2008
Die Landtagsgrünen setzen sich dafür ein, Kinder aus Einwandererfamilien in den Kindertagesstätten und Schulen besser zu fördern und deren offenkundige Diskriminierung zu überwinden. "Die Landesregierung macht nur schöne Worte, aber tatsächlich ändert sie an der Benachteiligung der Zuwandererkinder in der Schule nichts", kritisierte die schulpolitische Sprecherin Ina Korter am Donnerstag (heute) in Hannover. Inzwischen stammten nahezu 25 Prozent der Kinder in Niedersachsen aus Einwandererfamilien. "Die Talente dieser Kinder müssen endlich besser entfaltet werden." Die Grünen haben deshalb zwei Entschließungsanträge vorgelegt, mit denen sie die Förderung der Migrantenkinder verbessern wollen.
Eine entscheidende Hürde für die Einwandererkinder sei das selektive Schulsystem. Untersuchungen hätten gezeigt, dass Kinder von Migranten auch bei gleichen Leistungen weit häufiger nur eine Hauptschulempfehlung bekämen als deutschstämmige Kinder. "Nur mit einer gemeinsamen Schule kann diese offenkundige Diskriminierung überwunden werden", sagte die Grünen-Politikerin. Als erster Schritt sollten die Schullaufbahnempfehlungen der Grundschulen durch eine kontinuierliche individuelle Lernberatung ersetzt werden.
Weitere Schwerpunkte der Grünen-Anträge seien die Verbesserung der Sprachförderung, die Stärkung der interkulturellen Kompetenz aller Kinder und die bessere Ausschöpfung der besonderen Potentiale der Zuwandererkinder.
Es müsse ein ganzheitliches Sprachförderkonzept entwickelt werden, mit dem alle Zuwandererkinder in den Kindertagesstätten frühzeitig und kontinuierlich gefördert werden könnten, sagte Korter. In der Schule müsse die Sprachförderung auch über die Grundschule hinaus in allen Schulformen fortgeführt werden. Hierfür müssten die Kita-Erzieherinnen und die Lehrkräfte gezielt qualifiziert werden. Mit Sprachkursen solle auch den Eltern dabei geholfen werden, ihre Kinder in der Schule zu unterstützen.
Mit einer stärkeren Förderung der Herkunftssprachen sollen die besonderen Fähigkeiten der Zuwandererkinder besser genutzt werden. "Nur in zwei von 982 weiterführenden Schulen in Niedersachsen wird derzeit Türkisch als Fremdsprache angeboten und nur in acht Schulen Italienisch", sagte die Grünen-Politikerin. "Damit werden Potentiale verschenkt."
"Die Beispiele Englands, Schwedens und Kanadas zeigen, wie wichtig in Einwanderungsgesellschaften Pädagoginnen und Pädagogen mit Migrationshintergrund in Kitas und Schule für die Integration der Migrantenkinder sind", erklärte Korter. Deshalb solle die Ausbildung von Studierenden mit Migrationshintergrund zu Pädagogen und ihre Einstellung in den Bildungseinrichtungen gezielt gefördert werden.
Mit einem weiteren Antrag setzen sich die Grünen dafür ein, dass der niedersächsische Landtag zum Grünbuch "Migration und Mobilität: Chancen und Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme" Stellung nimmt. Die migrationspolitische Sprecherin Filiz Polat begrüßte die Zielsetzung des Grünbuches, die EU-Bildungssysteme durchlässiger zu gestalten. Sie forderte den Landtag auf, diese Zielsetzung zu unterstützen und sich dafür einzusetzen, dass Ansprüche auf integrative Bildungsangebote auch für Migranten aus Drittstaaten in den EU-Richtlinien verankert werden.