Springe direkt zu: Contentbereich, Hauptnavigation, Suche
Sie sind hier:
Es ist eine der zentralen Aufgaben der Schule, die Kinder und Jugendlichen auf die Anforderungen der sich schnell wandelnden Arbeitswelt vorzubereiten. Diese Anforderungen haben sich deutlich erhöht. Auch von HauptschulabsolventInnen wird heute nicht nur die Beherrschung der grundlegenden Kulturtechniken erwartet, sondern darüber hinaus werden Schlüsselqualifikationen wie Kommunikations- und Teamfähigkeit und lebenslange Lernfähigkeit verlangt.
Die Aufgaben der Schule dürfen aber nicht auf die Qualifikation für die Erwerbstätigkeit reduziert werden. Die Schule muss die Kinder auf die eigenverantwortliche Gestaltung ihres Lebens vorbereiten, dessen Verlauf sehr viel weniger als früher durch Traditionen vorgezeichnet ist. Kinder und Jugendliche müssen fähig werden, ihren Weg in einer individualisierten Gesellschaft zu finden und auch Brüche im eigenen Lebenslauf zu bewältigen.
Ein demokratisches Gemeinwesen ist darauf angewiesen, dass Kinder und Jugendliche befähigt werden und die Bereitschaft entwickeln, die komplexer gewordene Gesellschaft verantwortlich mit zu gestalten.
Das Lernen in der Schule muss sich deshalb grundlegend ändern: Es muss sich stärker auf die Lebenswirklichkeit der Kinder und ihre Zukunftsprobleme beziehen.
Selbständiges und eigenverantwortliches Lernen muss gefördert werden, um auf ein lebenslanges Lernen vorzubereiten. Erforderlich sind hierfür eine Öffnung der Schule und neue Lernformen.
In der von zunehmender Individualisierung und Desintegration gekennzeichneten Gesellschaft wächst die Bedeutung der sozialen Integrationskraft der Schule. Das Auseinanderdriften der sozialen Milieus führt dazu, dass die Kinder schon bei ihrer Einschulung ein zunehmend unterschiedliches Lernniveau aufweisen. Weil viele der benachteiligten Kinder den Kindergarten nicht besuchen und deshalb dort nicht geförden können, werden die Unterschiede noch verstärkt. Die Kitas müssen wegen ihrer Bedeutung für die Frühförderung gestärkt werden.
Die Schule muss heute nicht nur Chancengleichheit in dem Sinne gewährleisten, dass Arbeiterkinder, Kinder in ländlichen Regionen und besonders Mädchen die gleichen Chancen haben sollen, einen höheren Bildungsabschluss zu erreichen.
Vielmehr hat sie darüber hinaus eine Schlüsselfunktion für die gesellschaftliche Integration von besonders benachteiligten Kindern. Wenn sie das Auseinanderdriften der Gesellschaft nicht verstärken, sondern ihm entgegenwirken will, muss die Schule versuchen, die zunehmende Heterogenität pädagogisch zu nutzen. Hierfür müssen die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden. Dann allerdings bietet die Verschiedenartigkeit deutliche Chancen. Die Begleitforschung sowohl von Integrationsklassen als auch von jahrgangsübergreifenden Lerngruppen hat gezeigt, dass auch die leistungsstärkeren Kinder von einem differenzierenden, individuell fördernden Unterricht keineswegs gebremst werden, sondern spürbar profitieren.
Wenn die Schule einen Beitrag gegen Gewalt, Rassismus und Rechtsextremismus leisten soll, besteht ihre Aufgabe vor allem darin, gerade die benachteiligten Kinder in ihrer Persönlichkeit und ihrem Selbstbewusstsein so zu stärken, dass sie für gewalttätige und fremdenfeindliche Denk- und Verhaltensmuster weniger anfällig sind. Die Schule muss deshalb eine "Kultur der Anerkennung" entwickeln. Das lernen von und miteinander in Schulklassen mit MigrantInnen muss als Chance erkannt werden, Verschiedenartigkeit soll als positive Erfahrung vermittelt werden. Der Schüleraustausch mit anderen Ländern darf sich nicht auf die Gymnasien beschränken, Auslandsaufenthalte sind gerade für SchülerInnen aus Real- und Hauptschulen wünschenswert.
Eine Besinnung auf traditionelle Werte in der Erziehung bleibt hilflos, solange diese Werte in der Welt der Erwachsenen selbst kaum verbindlich gelebt werden. Die Schule muss aber für das Zusammenleben ihrer Mitglieder selbst feste Regeln und Werte vereinbaren und Strukturen zum Lösen von Konflikten entwickeln. Das Leben in der Schule gewinnt deshalb neben dem Unterricht im engeren Sinne eine zunehmende Bedeutung.
Die inhaltliche Weiterentwicklung der Schulen kann nur von den in der Schule Tätigen getragen werden. Den Schulen müssen hierfür organisatorische und inhaltliche Freiräume gegeben werden. Erweiterte Verfügungsmöglichkeiten über ihre Ressourcen (ihr Personal, ihre Gebäude und Schulhöfe und ihre Finanzmittel) müssen geschaffen werden. Unabhängige Beratungs- und Fortbildungsangebote müssen deutlich ausgebaut werden, um die Schulen bei ihrer Weiterentwicklung zu unterstützen.
Die "neuen Freiheiten" der Schule müssen mit "neuer Verantwortung" gekoppelt werden. Schulen müssen ein professionelles Qualitätsmanagement betreiben. Die Schulen und Schulbehörden sollen systematischere und verbindlichere Analysen der an sie gerichteten Erwartungen durchführen. Mit Beteiligung der Betroffenen sollen Qualitätsbereiche festgelegt und erwartete Standards abgestimmt werden. Gleichzeitig ist in einer Bestandsaufnahme zu klären, welche finanziellen, personellen und sächlichen Ressourcen den Schulen zur Erfüllung dieser Erwartungen zur Verfügung stehen. Auf Grundlage dieser Untersuchung der Ausgangslage sollen Schulen und Schulbehörden Zielvereinbarungen für die Perspektiven ihrer Weiterentwicklung treffen. Die Entwicklungsziele sollen in einem Schulprogramm festgehalten werden. Mit einer regelmäßigen internen Evaluation überprüfen die Schulen die Umsetzung ihres Programms. Die Kontrolle des Staates erfolgt durch externe Evaluation. Die Evaluationsagentur soll den Landtag regelmäßig unterrichten.
Die Grundsätze dieses Qualitätsmanagements gelten selbstverständlich auch für die Schulbehörden, die sich von traditionellen Behörden zu Dienstleistungsagenturen weiterentwickeln müssen.
Wenn Schule Kinder und Jugendliche besser erreichen und sie auf die Bewältigung der Probleme ihres künftigen Lebens vorbereiten will, muss sie sich wesentlich stärker ihrer Lebenswelt öffnen. Sie muss intensiver mit Einrichtungen in ihrem Umfeld (kommunalen und sozialen Einrichtungen ebenso wie wirtschaftlichen Betrieben) kooperieren (Gemeinwesenorientierte Schule), ihre Arbeit zunehmend auch an außerschulische Lernorte verlagern (bis hin zum Konzept der "Stadt als Schule"), Realsituationen für Lernprozesse nutzen (z.B. in Schülerfirmen) und externe Experten in die Schule hinein holen ("Dritte" in die Schule). Es gibt eine Reihe von Schulen, die hiermit bereits hervorragende Erfahrungen gemacht haben. Um die Öffnung der Schulen zu unterstützen, müssen Vorgaben durch Erlasse gelockert werden. Schulen benötigen ein eigenes Budget, um gesellschaftlichen Sachverstand in die Schule holen zu können.
Es sollen örtliche "Runde Tische" bzw. "Bündnisse für die Schule" eingerichtet werden, welche die Zusammenarbeit mit den Schulen unterstützen.
aboutpixel.de / Can u see the difference © Marcel Freivogel