
NR. 23
Datum: 12. Juni 2007
Die Grünen haben am (heutigen) Dienstag ihr Konzept einer „Neuen Schule für Niedersachsen“ präsentiert. „Wir wollen alle Talente fördern und die weltweit schärfste soziale Selektion im deutschen Schulsystem endlich überwinden“, erklärte Ina Korter, die Schulexpertin der Grünen-Landtagsfraktion.
Grundlage der Neuen Schule sei eine neue Lernkultur: „Nach dem Motto ‚das Lernen lernen’ soll früh die Eigenverantwortung der Schülerinnen und Schüler gestärkt werden“, erläuterte Korter. „Sie sollen nicht vornehmlich Wissen anhäufen, sondern Problemlösungskompetenzen erwerben.“
Die Lehrkräfte sollen dafür qualifiziert werden, Lernprobleme frühzeitig zu erkennen und geeignete Förderangebote zu machen, forderte Korter. Durch gezielte individuelle Förderung sollen das Sitzen bleiben und die Abschulung auf eine andere Schulform, überflüssig werden.
Künftig sollen die Schülerinnen und Schüler neun Jahre lang gemeinsam eine Schule besuchen. „Das gegliederte Schulsystem ist gescheitert“, erklärte Ina Korter. „Es hat viele Jugendliche in eine Bildungssackgasse geführt. Auch die Spitzenleistungen sind in Deutschland schwächer ausgeprägt als in den gemeinsamen Schulen Schwedens und Finnlands.“
Altersgemischte Lerngruppen sollen auch die Arbeit kleiner gemeinsamer Schulen ermöglichen. Dadurch sei auch bei zurückgehenden Schülerzahlen ein wohnortnaher Schulbesuch möglich. „Ein Schulsterben auf dem Lande wird es mit der Neuen Schule auch bei zurückgehenden Schülerzahlen nicht geben“, betonte die grüne Schulexpertin. Die Neue Schule solle eine Ganztagsschule mit verbindlicher Kernzeit sein.
Sofort nach einem Wahlerfolg im Jahr 2008 wollen die Grünen mit einer Qualifizierungsoffensive für die Lehrkräfte beginnen, um sie auf gemeinsamen Unterricht und individuelle Förderung vorzubereiten, kündigte Korter an. Der bereits begonnene Weg in Richtung individueller Förderung und Lernentwicklung soll fortgesetzt und intensiviert werden. Die Ressourcen, die durch den Rückgang der Schülerzahlen um 10% in den kommenden fünf Jahren frei werden, sollen für den Aufbau von Förderangeboten genutzt werden.
„Ab 2011 werden die Schülerinnen und Schüler nicht mehr am Ende der vierten Klasse auf verschiedene Schulformen auseinandersortiert,“ betonte Ina Korter. „Wir wollen jahrgangsweise aufsteigend die Schulen bis zum Jahr 2016 zu gemeinsamen Schulen weiterentwickeln.
Die Landesarbeitsgemeinschaft Schule der Grünen Niedersachsen hat das Konzept der „Neuen Schule für Niedersachsen“ in einer zweijährigen Dialogphase erarbeitet. Sie hatte 2004 „Neun Bausteine“ für eine gemeinsame Schule vorgelegt und diese in 20 örtlichen Veranstaltungen und einer Anhörung der Verbände zur Diskussion gestellt. Das Ergebnis bildet den Ausgangspunkt für eine grundsätzliche Umsteuerung des niedersächsischen Schulwesens. „Die PISA-Siegerländer haben uns vorgemacht, wie eine gute und erfolgreiche Schule gelingen kann. Es ist an der Zeit, dass wir damit endlich anfangen“, betonte Ina Korter.