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Zu einem Meinungsaustausch über die geplante Weservertiefung trafen sich die Grünen-Landtagsabgeordneten Ina Korter (Nordenham) und Hans-Joachim Janßen (Varel) mit Vertretern des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch und des Entwässerungsverbandes Butjadingen.
Für alle Beteiligten steht fest: Eine weitere Vertiefung der Weser wäre gerade für die Wesermarsch ein unkalkulierbares Risiko.
"Aufgrund des Klimawandels müssen wir mit steigendem Meeresspiegel und zunehmenden Stürmen rechnen. Durch eine tiefere Weser würden Sturmfluten noch ungebremster in die Weser gedrückt und damit die Deiche massiv gefährden", erklärten Korter und Janßen. Die Weservertiefung werde damit zur Existenzfrage für die Wesermarsch.
Nach Meinung der Grünen ist die Planung weiterer Flussvertiefungen ein Zeugnis hafenpolitischer Kleinstaaterei. "In absehbarer Zeit können alle großen Schiffe den Jade-Weser-Port anlaufen. Die Weser soll doch nur deswegen vertieft werden, weil die norddeutschen Bundesländer seit Jahren kein abgestimmtes norddeutsches Hafenkonzept zustande bringen und sich stattdessen darauf verständigt haben, dass jeder kriegt was er will", sagte Hans-Joachim Janßen
Jan Dunkhase, Vorsitzender des Entwässerungsverbandes Butjadingen, informierte über die Folgen für die Entwässerungsverbände, die baulich nicht auf die Folgen der Weservertiefung ausgerichtet seien. Durch die Vertiefung verschiebe sich die Salzwassergrenze weiter in das Binnenland. "Wenn wir wegen des hohen Salzgehaltes nicht mehr zuwässern können, laufen im Sommer die Gräben leer. In den verbleibenden Resttümpeln müssen wir wie vor 100 Jahren mit Malaria rechnen", so Dunkhase.
Manfred Ostendorf, Geschäftsführer des Kreislandvolkverbandes Wesermarsch, wies die Probleme der Landwirte mit einem höheren Salzgehalt hin. "Die Viehtränke auf den Weiden wäre unmöglich.Die bisherige Landwirtschaft mit Viehauftrieb ist dann vorbei", erklärte Manfred Ostendorf. Außerdem gefährde die erhöhte Strömungsgeschwindigkeit der Weser und der Wellenschlag der Schiffe die Sielbauwerke.
Besondere Gefahren für die Deichsicherheit sehen die Grünen-Abgeordneten unter anderem im Bereich der Warflether Kirche "Bei einer Weservertiefung ist hier mit dem größten Anstieg des Tidenhubs zu rechnen", erklärte Hans-Joachim Janßen, Küstenschutzexperte seiner Fraktion. Da allein aufgrund des Klimawandels ein Meeresspiegelanstieg um bis zu einem Meter in diesem Jahrhundert zu befürchten sei, sei es verantwortungslos, die Risiken weiter zu erhöhen. "Wenn in der Wesermarsch ein Deich bricht, läuft das Gebiet voll wie eine Badewanne – große Teile liegen schließlich tiefer als der Meeresspiegel", sagte Ina Korter.
Die Abgeordneten fordern die Landesregierung auf, die Vertiefungspläne zu den Akten zu legen und stattdessen verstärkt in den Küstenschutz zu investieren. "Die jetzt zusätzlich zugesagten 2,75 Millionen Euro reichen doch nicht einmal für einen Kilometer Deichbau. Die Landesregierung hat den Ernst der Lage noch immer nicht erkannt", kritisierte Ina Korter.